#9 RIVA MISTERIOSA

Letzten Freitag hat es geschüttet. Aber ohne Wind – einer dieser geraden, gleichmäßigen Regenfälle, die einen durchnässen, aber keine großen Probleme machen. Im Herbst finde ich das sogar schön, wenn man mit Schirm und den richtigen Schuhen unterwegs ist.

Oder zumindest gefällt es mir.

Wir haben die letzte Gelegenheit genutzt, um an der Führung Riva Misteriosa teilzunehmen – eine der vielen wunderbaren Erlebnisse, die unser Tourismusverband organisiert, um uns Gastgebern auf moderne Weise unter die Arme zu greifen.

Riva Misteriosa war eine der ersten Ideen, vor etwa drei Jahren. Vielleicht auch, weil sie so einfach umzusetzen war: ein Spaziergang durch die Altstadt von Riva, mit einer erfahrenen Stadtführerin (und wenn nötig einem Schirm). Dieses Jahr fand die Tour immer freitagabends statt und dauert rund zwei Stunden.

Damit ich die Hände frei hatte – auch wenn ich am Ende doch keine Fotos gemacht habe – trug ich Regenjacke und Stiefel. So wie das Outfit, das ich auch oft benutze, wenn ich die Mädchen bei Regen zur Schule bringe: praktisch und ziemlich trocken. Mit Elena im Hotel reden wir manchmal darüber, wie schön es wäre, wenn jedes Zimmer ein kleines Regen-Set bereithalten würde. Das wäre wirklich praktisch für Gäste, die ihre Ferien auch ohne Sonnenschein genießen möchten.

Der Abend war für mich eine richtig schöne Überraschung. Die Details verrate ich natürlich nicht – sonst wäre es für euch weniger spannend – aber glaubt mir: obwohl ich in Riva geboren bin und hier lebe, kannte ich die meisten Geschichten nicht. Genau deshalb wollte ich teilnehmen. Und, zugegeben, auch um diese Zeilen schreiben zu können.

Ich war nie besonders gut in der Schule. Schade eigentlich. Aber ich bin neugierig und mag es, Neues zu lernen. Ich bewundere Menschen, die wissen – und dieses Wissen leidenschaftlich weitergeben können.

Vielleicht sollten wir alle das Leben so sehen: mit dem Ziel, heute ein kleines bisschen mehr zu wissen als gestern.

Ich kam also nach Hause – nass, aber bereichert. Bereichert auch mit kleinen Anekdoten, die ich meinen Töchtern erzählen konnte. Unsere Stadtführerin war wirklich hervorragend, und das Konzept der Tour ist sehr originell – weit entfernt von den klassischen, etwas trockenen „Stadtgeschichte“-Führungen.

Wir begannen mit einem Blick hinauf zum Bastione und zur kleinen Kirche Santa Barbara, gingen dann weiter zur Statue von Giuseppe Verdi, durch den Brolio-Park, über den bunten Piazza delle Erbe bis zur Piazza Catena mit dem Rathaus. Kaum jemand kennt die Via Marocco oder das kleine San-Rocco-Plätzchen. Zum Schluss standen wir vor der Kirche Inviolata. In diesem Moment hörte der Regen auf, und ich machte mein einziges Foto: Santa Barbara hoch oben am Monte Rocchetta, umgeben von Wolken.

Es wirkte… ganz wie der Name sagt: mysteriös.

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