#6 MARGHERITA

Es hätte werden sollen…

Es hätte ein Rückzugsort werden sollen. Ein Nest, in das man sich zurückziehen und einkuscheln kann.
„Balance“, der Name, ruft dieses innere Gleichgewicht hervor – als würde man auf einem Ast balancieren.
Oder noch besser: auf einer Wolke schweben.

Wir hatten sogar alles vorbereitet, um das Frühstück aufs Zimmer zu bringen.
Ein exklusiver Service nur für die Gäste dieser Zimmer – großzügig, mit dem Bett in der Mitte. Direkt vor dem Fenster.

Dort, wo früher ein klassischer Schreibtisch stand – ein Möbelstück, das heute fast schon aus der Mode gekommen ist – haben wir einen praktischen, verschiebbaren Tisch hingestellt.
An der Wand, wenn das Zimmer im „Normalmodus“ ist, und drehbar, wenn man gemütlich frühstücken möchte – mit genug Platz für Schalen und Teller.

Unser Stammfotograf hat auch wunderschöne Bilder gemacht.

Dann… fehlte uns der Mut.

Margherita ist eine brillante, temperamentvolle Marketingberaterin.
Mit ihr gemeinsam haben wir das Brione neu gedacht.
Sie war es auch, die uns geraten hat, unseren Namen zu ändern – von Hotel Brione zu Brione Green Resort.
Um unsere Grünflächen mehr in den Mittelpunkt zu rücken, die Natur, die wir mit Liebe pflegen, den „grünen Atemraum“ fernab der Straße, den Garten mit dem Pool.

Das war 2017.
In diesem Jahr wollten wir die Villa Arianna renovieren – ein kleines Garnì, das wir einige Jahre zuvor übernommen und mit dem Flügel des Hotels am Pool verbunden hatten.
So entstanden die Zimmer Green und Balance, mit einem privaten Parkplatz direkt darunter.

Wir haben Margherita kennengelernt, als schon viele Dinge entschieden waren.
Die Baupläne waren abgesegnet, die Spielräume für Änderungen waren begrenzt.
Aber sie hat sich dafür eingesetzt – und wie! – dass diese 11 neuen Zimmer anders sein sollten.
Zumindest in der Einrichtung, im Konzept, in den angebotenen Services.

Ganz ehrlich: Wir haben nicht alles von dem umgesetzt, was sie uns geraten hat.
Vielleicht waren wir zu vorsichtig mit ihren modernen, „gewagteren“ Ideen.
Im Rückblick müssen wir sagen: Sie hatte recht.
Viele dieser Trends – beim Essen wie auch beim personalisierten Service – sind heute Standard in unserer Branche.

Zum Beispiel schlug Margherita vor, einen exklusiven Bereich im Frühstücksraum einzurichten – nur für Gäste der neuen Zimmer.
Die besten Plätze, direkt an den Fenstern zum Garten.
Mit anderen Tischen, einem Ambiente, das sich klar vom Rest abhebt.
Wir haben es nicht gemacht.
Aus Angst, einen zu großen Unterschied zu den anderen Gästen zu schaffen.

Die Mappe mit der wunderbaren Marketing-Studie, die sie extra für uns entworfen hat, liegt noch heute auf unserem Schreibtisch.
Wir haben sie zur Seite gelegt – das Leben hat unsere Aufmerksamkeit auf andere Dinge gelenkt.
Aber ihren Wert haben wir nie angezweifelt.
Und ehrlich gesagt blättern wir immer mal wieder darin, um uns inspirieren zu lassen.

Dass wir den Frühstücksservice nicht gewagt haben, tut uns heute leid.
Gerade jetzt, wo wir sehen, wie sehr sich unsere Gäste nach Autonomie und Rückzug vom Alltagsstress sehnen.
Wir würden es gerne noch einmal versuchen.

Damals fragten wir uns:
Wer würde schon freiwillig auf das reiche Frühstücksbuffet verzichten?
Auf die Freiheit, aufzustehen, wann man möchte, den Teller oder die Kaffeetasse beliebig oft nachzufüllen?
Nur um stattdessen ein Tablett mit begrenztem Platz und weniger Auswahl zu bekommen?

Heute sind wir sicher:
Einige Gäste würden genau das zu schätzen wissen.

Also machen wir’s so:
WIR PROBIEREN ES!

Image Not Found